Mein Coaching-Konzept als systemischer Coach
Mein Verständnis von systemischem Coaching
Meine Coachingarbeit ist deutlich im systemischen Denken verwurzelt. Menschen leben nicht als isolierte Individuen mit Problemen, sondern als Teil komplexer Beziehungs- und Bedeutungssysteme. Insofern entsteht Verhalten aus den individuell erlebten Wechselwirkungen in Familien, Partnerschaften, Organisationen und innerpsychischen Anteilsstrukturen.
Coaching bedeutet für mich daher nicht Lösungen vorzugeben oder Defizite zu korrigieren, sondern gemeinsam mit Klientinnen und Klienten Muster zu verstehen, Kontexte sichtbar zu machen und neue Perspektiven zu eröffnen. Veränderung geschieht nicht durch Instruktion, sondern durch Irritation bestehender Selbstverständlichkeiten, durch neue Bedeutungszuschreibungen und durch die Aktivierung bislang ungenutzter Ressourcen.
Dabei begegne ich meinen Klientinnen und Klienten auf Augenhöhe. Ich bin nicht Experte für deren Leben, sondern bestenfalls Ermöglicher für Prozessgestaltung, für das Stellen hilfreicher Fragen und für das Initiieren erfahrungsorientierter Interventionen.
Theoretische Fundierung
Mein systemisches Verständnis ist – schon seit Studienzeiten – geprägt durch die Systemtheorie von Niklas Luhmann, der soziale Systeme als selbstreferentielle Kommunikationssysteme beschreibt. Diese Perspektive erlaubt es mir, Symptome nicht individualisierend zu betrachten, sondern als Ausdruck kommunikativer und relationaler Dynamiken in den sozialen Kontexten meiner Klientinnen und Klienten.
Ebenso hat mich die Erkenntnis der Existenz der Kybernetik zweiter Ordnung von Heinz von Förster in meinem systemischen Verständnis beeinflusst: Sie erinnert mich daran, dass ich als Coach immer Teil des Systems bin, das ich beobachte. Meine Fragen, meine Haltung und meine Hypothesen wirken mit. Diese Selbstreflexivität ist für mich zentraler Bestandteil professioneller Coachingarbeit. Dies gilt auch im Hinblick auf meine Rolle als Coach, der sich nicht als Teil des Systems als Lösung etablieren kann, sondern ein System wertschätzend pertubiert, anregt, neu perspektiviert und sich selbst am Ende eines Coaching Prozesses überflüssig macht.
Der radikale Konstruktivismus von Ernst von Glaserfeld u.a. bilden die erkenntnistheoretische Grundlage meiner Arbeit. Wirklichkeit wird konstruiert – auch im Coachingprozess. Ziel ist es daher nicht, eine objektive Wahrheit zu finden, sondern hilfreichere Beschreibungen zu entwickeln. Dieser erkenntnistheoretische Ansatz spiegelt sich sowohl im Hinblick auf meine kommunikationstheoretischen Interventionen (Watzlawick, Schulz von Thun) als auch hinsichtlich meiner NLP-ischen Perspektive auf kommunikative Prozesse.
In meiner praktischen Arbeit greife ich auf Impulse der Mailänder Schule um Mara Selvini Palazzoli und Luigi Boscolo zurück, insbesondere auf das zirkuläre Fragen, die Hypothesenbildung und Allparteilichkeit. Der lösungsorientierte Ansatz von Steve de Shazer (positive Psychologie) und Insoo Kim Berg beeinflusst meine konsequente Ressourcen- und Zukunftsorientierung. Darüber hinaus fließen hypnosystemische Konzepte von Gunther Schmidt basierend auf der Arbeit von Milton Erickson, in meine Praxis ein. Sie ermöglichen es, Aufmerksamkeit gezielt zu lenken, innere Erlebnisräume zu erweitern und Lösungstrancen zu aktivieren.
Zielgruppen und thematische Schwerpunkte
Meine Coachingpraxis ist primär psychosozial und familiendynamisch ausgerichtet. Ich arbeite mit Menschen, die sich in Übergangs- oder Krisensituationen befinden, wiederkehrende Beziehungsmuster erleben oder innere Konflikte klären möchten.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit familiären Prägungen und transgenerationalen Dynamiken. Viele Blockaden zeigen sich nicht als isolierte Probleme, sondern als Reinszenierungen früher Beziehungserfahrungen oder als Ausdruck unbewusster Loyalitäten. In solchen Prozessen unterstütze ich Klientinnen und Klienten dabei, ihre biografischen Muster zu erkennen, einzuordnen und neue Selbstpositionierungen zu entwickeln.
Auch wenn ich mit Führungskräften arbeite, geschieht dies nicht im klassischen Sinne organisationsberaterischer Business-Coachingformate. Vielmehr stehen innere Rollenklärung, Selbstwertthemen, Antreiberstrukturen und biografische Prägungen im Vordergrund. Führung wird dabei als Beziehungsphänomen verstanden. Häufig geht es um die Integration kindlicher Muster, um die Entwicklung eines stabilen erwachsenen Selbstanteils und um ein neues, authentisches Führungsverständnis.
Im Familien- und Beziehungscoaching begleite ich Eltern, Paare oder Familien in Übergangsphasen. Themen sind hier Kommunikationsmuster, Loyalitätskonflikte, Rollenunsicherheiten oder Ablösungsprozesse.
Methodische Arbeitsweise
Meine Arbeit ist erfahrungsorientiert, dialogisch-entwickelnd und hypothesengeleitet. Die Auswahl der Methoden orientiert sich stets am Anliegen und an der Stabilität / Arbeitsfähigkeit der Klientinnen und Klienten.
Ein zentrales Instrument ist die Arbeit mit dem Systembrett. Durch die Visualisierung von Beziehungsdynamiken werden Wechselwirkungen sichtbar und erfahrbar. Positionen, Distanzen und Blickrichtungen eröffnen oft neue Einsichten, die rein kognitiv schwer zugänglich wären. Oft nutze ich das Brett auch, um für den Prozess entscheidende systemische Dynamiken zunächst einmal evident werden zu lassen.
Ergänzend nutze ich Mini-Aufstellungen mit Bodenankern oder Stühlen im Sinne fokussierter Blitzlicht-Interventionen. Sie helfen, innere Anteile oder Entscheidungsambivalenzen schnell sichtbar zu machen, ohne in therapeutische Tiefenrekonstruktionen zu gehen.
In der Genogrammarbeit, angelehnt an Monica McGoldirck, erforsche ich gemeinsam mit Klientinnen und Klienten transgenerationale Muster, Loyalitäten und wiederkehrende Lebensskripte. Ziel ist nicht Vergangenheitsanalyse um ihrer selbst willen, sondern das Verständnis aktueller Dynamiken.
Auch die Aufstellungsarbeit Bert Hellingers hat mich hinsichtlich der von ihm beschriebenen familiären Dynamiken geprägt, sodass sich Muster wie z.B. Parentifizierungen, Triangulierungen und die daraus resultierenden frühkindlich geprägten und bis ins Erwachsenenalter fortgeführten Projekte erkennen und lösen lassen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil meiner Arbeit sind hypnosystemische Interventionen. Durch gezielte Sprachführung, Utilisation vorhandener Muster und Embodiment-Elemente unterstütze ich Klientinnen und Klienten dabei, aus Problemtrancen in Lösungstrancen zu wechseln. Hier nutze ich zudem hilfreiche Tools aus meiner NLP-Expertise.
Besonders bedeutsam ist die Arbeit mit inneren Anteilen und dem inneren Kind. In Integration gestalttherapeutischer Impulse von Fritz Perls leite Klientinnen und Klienten an, sich mit ihren inneren Kritikern, Antreibern und verletzten Selbstanteilen konstruktiv auseinanderzusetzen. Ziel ist die Integration dieser Teile und die Stärkung eines erwachsenen, selbstführenden Ich-Anteils.
Ergänzend fließen weitere NLP-Elemente wie Reframing, Timeline-Arbeit, Re-Imprinting und Glaubenssatzarbeit in meine Arbeit ein. Sie dienen der strukturierten Veränderungsarbeit, bleiben jedoch stets eingebettet im systemischen Kontext.
EMDR-basierte bilaterale Stimulation nutze ich ausschließlich im Coachingrahmen zur Ressourcenaktivierung oder zur Bearbeitung nicht-traumatischer belastender Erinnerungen.
Abgrenzung zur Therapie
Mein Coaching richtet sich an psychisch stabile Personen. Es erfolgt keine Diagnostik oder Behandlung psychischer Erkrankungen. Bei Verdacht auf behandlungsbedürftige Störungsbilder erfolgt eine klare Weiterverweisung an approbierte Fachpersonen. Eine Traumatherapie findet nicht statt. Coaching verstehe ich als Entwicklungs- und Klärungsarbeit, nicht als Heilbehandlung.
Rolle als Lehrcoach
In meiner Funktion als Lehrcoach begleite ich angehende Coaches in Workshops, in Coaching Ausbildungen oder in der eins-zu-eins Supervisionen in ihrer professionellen und persönlichen Entwicklung. Dabei geht es nicht nur um Methodensicherheit, sondern vor allem um Haltungsentwicklung, Selbstreflexivität und Rollenklärung.
Ich arbeite metareflexiv im Sinne der Kybernetik zweiter Ordnung: Coachingprozesse werden gemeinsam reflektiert, Interventionen transparent gemacht und systemische Denkweisen eingeübt. Ziel ist die Entwicklung einer eigenständigen, verantwortlichen und ethisch sensiblen Coachingidentität.